CHINA


Historikern zufolge verwendeten die Mediziner im alten China sehr vielfältige und für die damaligen Zeiten sehr innovative Zahnheilmethoden. Abhandlungen über die Zahnheilkunde zeigen, dass die Chinesen die Vorbeugung ernst nahmen und auf Mundhygiene Wert legten – sie putzten ihre Zähne regelmäßig mit Bambusbürsten, deren Form an heutige Zahnbürsten erinnerte, und bereiteten Kräuterspülungen zu, mit denen sie Halitosis (Mundgeruch) bekämpften. Sie führten auch komplizierte Operationen im Bereich der zahnärztlichen Chirurgie aus, bei denen sie verschiedene Methoden der Schmerzbekämpfung einsetzten. Chinesische Ärzte waren beispielsweise in der Lage, Oberlippenspalte zu korrigieren, Pilomatrixome zu beseitigen und auch apikale Parodontitis zu evakuieren.

Im Gegensatz zu den Ärzten im antiken Griechenland oder Ägypten scheuten sie sich nicht, Extraktionen durchzuführen. An dieser Stelle sei erläutert, dass man in früheren Zeiten davon ausging, dass das Ziehen von Zähnen ein sehr riskantes und gefährliches Unterfangen ist. So empfahl Hippocrates beispielsweise eine Extraktion nur im Fall von Zähnen, die derart locker dass sie mit den Fingern aus dem Mund entfernt werden können. Die Chinesen hingegen zogen fest im Knochen sitzende Zähne und anästhesierten ihre Patienten mit Kräuterbrühen (insbesondere mit Mohnaufgüssen). Bei der Extraktion von mehreren Zähnen bedienten sich chinesische Ärzte der Akupunktur und stillten Blutungen mit Schlangengift.

Obwohl die Chinesen ebenso wie die meisten alten Völker überzeugt davon waren, dass „Zahnwürmer“ die Ursache für Karies sind, waren sie dennoch in der Lage, kariöse Läsionen auf eine überraschend rationelle Weise zu heilen. Von Magie und Zaubersprüchen (wie es beispielsweise die Babylonier taten) oder vom Füllen von Karieslöchern mit Kräutern oder fragwürdigen Gewürzpulvern, hielten sie nichts. Sie reinigten zunächst die Karieslöcher und füllten sie dann mit Amalgam (das Doktor Su Kung in einer Abhandlung im Jahr 659 poetisch „Silberkuchen“ nannte). In den Aufzeichnungen der alten chinesischen Mediziner überdauerte sogar ein Rezept zum Ansetzen einer Plombe aus Amalgam – sie sollte aus 100 Teilen Blei, 45 Teilen Silber und 900 Teilen Zinn zusammengesetzt sein.

Auch die Devitalisierungs-Einlagen mit Arsen, welche das Abtöten eines erkrankten Zahnes ermöglichten (eine andere Methode war das Kauterisieren der Pulpa mit einem glühenden Eisen), sind eine Erfindung der alten Chinesen. Darüber hinaus fertigten sie Vollprothesen auf der Grundlage eines zuvor abgenommenen Abdrucks auf Bienenwachs, mit dem sie in der Lage waren, die Prothese an die in der Mundhöhle des Patienten herrschenden anatomischen Gegebenheiten anzupassen. Die Prothese (in der Regel aus Holz) wurde dann mit speichelresistentem Lack beschichtet.

In seiner „Beschreibung der Welt“ erwähnt Marco Polo eine weitere zahnärztliche Behandlung, die bei den wohlhabenden Bewohnern des Reichs der Mitte beliebt war. Der venezianische Entdecker berichtete, dass die Bewohner der Provinz Kardandan sorgfältig modellierte und genau auf die äußeren Zahnflächen angepasste, dünne Goldplättchen trugen, die in etwa den heutigen Zahnblenden entsprachen. Diese Plättchen erfüllten einerseits eine therapeutische Funktion (sie sollten die Zähne gegen einen Befall von „Zahnwürmern“ schützen) und zierten andererseits das Lächeln ihres Trägers und wiesen auf seinen gesellschaftlichen Status hin.

Auch die Ausbildung der chinesischen Zahnärzte hatte interessante Facetten. So mussten die Studenten mit unterschiedlicher Kraft in ein Brett geschlagene Stifte mit bloßen Händen herausziehen. Zunächst aus Weichholz, dann aus zunehmend härteren Holzbrettern. Dies deshalb, weil die Chinesen Zähne mit ihren bloßen Händen extrahierten.